Fundierte Marktdaten sind für Standortentscheidungen unbedingt notwendig

2018-05-03T14:21:31+00:00
Evgeniya Kozachenko, index Research

index Marktforschungsexpertin Evgeniya Kozachenko erklärt im Interview, warum Arbeitsmarktzahlen für strategische Entscheidungsprozesse unerlässlich sind und warum es nicht ausreicht, nur deutschlandweite Stellenmarkttrends zu beobachten.

Wer bei einem Personaldienstleister für Strategie und Business Development zuständig ist, hat in der Regel ja große Erfahrung und ein gutes Gespür für den Markt. Warum sollte man da noch auf Arbeitsmarktzahlen und Daten zurückgreifen?

Die Rahmenbedingungen im Umfeld der Personaldienstleister verändern sich sehr schnell. Das erschwert natürlich die Entscheidungsfindung und bringt immer ein gewisses Risiko für die Geschäftsentwicklung mit sich. Wer sein Bauchgefühl und jahrelange Erfahrung mit fundierten Daten und Fakten ergänzt, schafft eine sichere Grundlage für Entscheidungen. Außerdem lassen sich Mitarbeiter, Vorgesetzte und externe Partner in strategischen Gesprächen viel eher überzeugen, wenn man sich auf Zahlen und Fakten beruft.

Welche Zahlen sind besonders relevant, um Marktpotenziale zu erschließen? Können Sie uns ein Beispiel geben?

Besonders wichtig sind Zahlen und Daten zum Stellenangebot. Als Personaldienstleister sollte man wissen, wie das Jobangebot in der Region aktuell aussieht: Wie viele Stellen sind derzeit ausgeschrieben? Welche Branchen sind intensiv auf der Suche nach Mitarbeitern? In welchen Bereichen ist der Bedarf an Fachkräften besonders hoch?
Außerdem sollte man sich einen Überblick darüber verschaffen, wie sich das Stellenangebot im Laufe der Zeit verändert. Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie sich der Fachkräftebedarf entwickelt hat und welcher Trend sich abzeichnet, sollte man mindestens die vergangenen zwölf Monate betrachten. Setzt man die regionale Entwicklung ins Verhältnis zum gesamten Stellenmarkt, lässt sich leicht feststellen, ob es sich um eine spezifisch regionale Entwicklung oder um einen standortübergreifenden Trend handelt.

Welche Rolle spielen Wettbewerbsanalysen?

Diese Analysen zeigen Personaldienstleistern, mit welchen Wettbewerbern sie sich den Markt in einer Region teilen. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, dass das Stellenangebot in einer Region sehr groß ist und Sie überlegen, an diesem Standort eine neue Niederlassung zu eröffnen. Wenn das vorhandene Stellenangebot größtenteils von Wettbewerbern stammt, sollten Sie vorsichtig sein und ihre Konkurrenz genau beobachten. Haben Sie es mit einigen wenigen, aber sehr starken Wettbewerbern oder mit vielen kleinen Wettbewerbern zu tun? An welchen Standorten haben ihre Wettbewerber außerdem Niederlassungen und wie viele Standorte gibt es insgesamt? Konkurrieren sie um die gleichen Kundenunternehmen und könnten Sie überhaupt die passenden Mitarbeiter vermitteln? Vergleichen Sie Ihre persönlichen Stärken und Schwächen mit den Erkenntnissen Ihrer Beobachtungen – erst dann können Sie entscheiden, ob der ausgesuchte Standort geeignet ist oder eher nicht.

Reicht es aus, sich über allgemeine Tendenzen in Deutschland oder die Entwicklungen im jeweiligen Bundesland zu informieren? Wie regional bzw. auf welche Betrachtungsebene sollten Personaldienstleister ihre Analysen ausrichten?

Natürlich ist es wichtig, den deutschlandweiten Trend im Auge zu behalten, aber für eine Analyse reicht das nicht aus. Die regionalen Unterschiede innerhalb Deutschlands oder sogar innerhalb eines Bundeslandes sind enorm groß und dürfen nicht unterschätzt werden. Wir empfehlen deshalb immer, eine Standortanalyse auf Landkreis- oder Stadtebene durchzuführen. Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel: Bayern ist eines der Bundesländer mit dem größten Stellenangebot. Betrachtet man die einzelnen Regionen im Detail, fallen sehr große Unterschiede auf. Einerseits gibt es Metropolregionen wie Nürnberg und München mit einem sehr großen Stellenangebot, andererseits gibt es aber auch Städte und Landkreise, die ein wesentlich kleineres Stellenangebot aufweisen, zum Beispiel im Nordosten Bayerns. Es ist deshalb unbedingt notwendig, dass der zu analysierende Bereich nicht zu groß definiert ist.

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In welchen Bereichen des Arbeitsmarktes gibt es besonders große regionale Unterschiede?

Regionale Unterschiede zeigen sich vor allem bei der Größe und der Art des Stellenangebots. In einigen Regionen wird intensiv nach Ingenieuren gesucht, in anderen Regionen sind kaufmännische Berufe sehr gefragt. Auch die Arbeitslosensituation unterscheidet sich regional. Betrachtet man Großstädte, ist die Arbeitslosenquote teilweise sogar in den einzelnen Stadtteilen erheblich unterschiedlich. Die Zeitarbeitsquote fällt auch je nach Region anders aus. Wahrscheinlich wäre es einfacher zu fragen, in welchen Bereichen der Arbeitsmarkt eher nicht von regionalen Unterschieden geprägt ist. Da fällt mir spontan die Geschlechterverteilung bei Arbeitnehmern ein, die in den meisten Fällen ausgeglichen ist.

Welche Quellen sollten Personaldienstleister für ihre Analysen nutzen? Sind die relevanten Daten öffentlich zugänglich?

Die Daten der Bundesagentur für Arbeit und der Statistischen Bundesämter sind für jeden frei zugänglich und geben eine ziemlich gute Auskunft über die aktuelle Arbeitsmarktsituation. Sie wissen dann, wie viele Beschäftigte in welchen Bereichen es gibt, wie viele Menschen in Zeitarbeit beschäftigt sind und wie viele Menschen derzeit arbeitslos sind. Allerdings bekommen Sie über diese Datenbank keine Informationen darüber, wie die aktuelle Nachfrage der Unternehmen aussieht. Dazu gibt es kaum öffentlich zugängliche Daten.

Wie teuer ist eigentlich so eine Standortanalyse?

Wir bieten verschiedene Preismodelle an, die sich je nach Komplexität und Fragestellung unterscheiden. Für 790 Euro bekommen Sie eine Standortanalyse mit den wichtigsten Kennzahlen. Wenn Sie eine umfangreichere Analyse brauchen, um zu entscheiden, ob Sie einen Standort eröffnen, können wir Ihnen ein Analyse-Paket anbieten. Dieses Paket beinhaltet Infokarten zur Veranschaulichung von Daten und Fakten sowie eine SWOT-Analyse, die mehrere Standorte vergleicht. Hier liegen wir preislichen im vier- bis fünfstelligen Bereich, das ist sehr individuell.

index Stellenanzeigen-Report 2017/2018

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