SENSATION: Nessie gibt es gar nicht!

2018-06-28T08:28:14+00:00

Der Mythos vom Sommerloch im Stellenmarkt

Stellenmarkt Sommerloch

Jedes Jahr aufs Neue erwartet es uns: das Sommerloch. Ein Begriff, bei dem uns sofort leergefegte Straßen, verlassene Büros, beharrlich schweigende Telefone und eine Flut von Abwesenheitsnotizen per E-Mail in den Sinn kommen. Langeweile wohin man blickt, unterbrochen nur von immer absurder werdenden Schlagzeilen der Zeitungen und Online-Medien – Nessie grüßt aus Schottland.

Gerade für die Personaldienstleistungsbranche, das „people business“ schlechthin, wird die Arbeit natürlich nahezu unmöglich, wenn halb Deutschland auf Mallorca oder in Italien weilt und einfach keine „people“ mehr im Land sind.

Doch ist das wirklich so? Gibt es tatsächlich ein Sommerloch im Stellenmarkt? Und wenn ja, wie macht es sich bemerkbar und wie kann man als Personaldienstleister das Beste daraus machen?

Wir wollten es in diesem Sommer genau wissen und haben deshalb zunächst die Stellenanzeigenschaltung der letzten vier Jahre miteinander verglichen. Das Ergebnis hat uns erstaunt: Betrachtet man die Jahre 2014 bis 2017 so sehen wir in den Monaten Juni bis August eher einen Anstieg der veröffentlichten Stellenanzeigen! Dabei liegt die Zahl der Jobinserate häufig sogar deutlich über dem Jahresdurchschnitt. So wurden 2016 beispielsweise durchschnittlich rund 250.000 Stellenanzeigen im Monat geschaltet. Im Juli und August 2016 lag dieser Wert jedoch bei rund 260.000 Inseraten, also etwa 4 Prozent darüber. Ähnlich war die Situation auch im vergangenen Jahr. Hier wurden im Juni, Juli und August jeweils etwa 10.000 bis 12.000 Stellenanzeigen mehr veröffentlicht als im Jahresdurchschnitt.

Dieses Bild bestätigt sich, wenn man für jedes Jahr die fünf Monate mit der geringsten Aktivität im Stellenmarkt kennzeichnet. Nur der Juni 2014 und der August 2015 gehörten in die Kategorie der nachfrageschwachen Monate, ansonsten sind es eher die Wintermonate, in denen weniger Jobangebote veröffentlicht werden.

Auch ein Blick nach Bayern, wo die Schulferien ja traditionell in jedem Jahr Anfang August beginnen und keinem Wechsel unterliegen, zeigt: Der Stellenmarkt ruht im Sommer nicht, im Gegenteil. Die Anzeigenschaltung liegt auch im bayerischen August höher als im Durchschnitt des Jahres.

Zukunft Personal Europe 2018
Stellenmarkt Sommer 2014 bis 2017

Bewerberflaute in den Sommermonaten?

Ist damit der Beweis schon erbracht und das Sommerloch im Stellenmarkt endgültig als Mythos entlarvt?

Nein, schließlich ist die Personaldienstleisterbranche heute ja deutlich stärker von Fachkräfte- und Bewerbermangel geprägt als von fehlenden Kunden. Vielleicht ist die hohe Zahl von Stellenangeboten in den Sommermonaten damit Ausdruck der Verzweiflung im Kampf um die wenigen noch im Land verbliebenen potenziellen Kandidaten?

Hier gibt die index Anzeigenresonanz-Analyse Auskunft. In unserer kontinuierlich durchgeführten Befragung ermitteln wir, welche konkreten Ergebnisse mit Stellenausschreibungen erzielt werden. Jährlich nehmen dabei rund 11.000 Unternehmen an unserer Auswertung teil und beantworten unter anderem die Frage, wie viele Bewerbungen auf die jeweilige Stellenanzeige eingegangen sind.

Und siehe da: Tatsächlich geht die Zahl der Bewerbungen in den Sommermonaten nicht zurück! Im Gegenteil, tendenziell sind die Bewerbungszahlen in den klassischen Urlaubsmonaten höher als beispielsweise im Winter.

Der Anteil der Stellenanzeigen, auf die mehr als 10 Bewerbungen eingegangen sind, lag im Juli 2016 bei 29,4 Prozent. Im November 2016 waren es 29,7 Prozent. Der Anteil der Inserate, bei denen es überhaupt keine Bewerber gab, lag bei 17,6 Prozent im Juli und bei 20,4 Prozent im November 2016. Auch im vergangenen Jahr war kein Einbruch der Bewerberzahlen in den Sommermonaten zu sehen. Im November 2017 meldeten sich auf 25,6 Prozent der Stellenanzeigen mehr als 10 Bewerber, während es im Juli 27,1 Prozent waren. Auch bei den Anzeigen ohne Bewerber war das Ergebnis im Juli (19,7 Prozent) besser als im November (21,3 Prozent).

Anzeigenresonanz Sommer 2016 / 2017

5 Tipps für Personaldienstleister

Auch auf der Bewerberseite ist das Sommerloch also eher Fiktion als Realität. Was aber bedeutet das für Personaldienstleister? Wie sollten sie in den Sommermonaten agieren? Wir haben uns auch darüber Gedanken gemacht und fünf Tipps für Sie zusammengestellt.

  1. Die Hängematte verlassen

Wie wir gesehen haben, ist der Stellenmarkt in den Sommermonaten eher noch stärker umkämpft als beispielsweise im Winter. Auch in Hinsicht auf den Bewerbungseingang ist weit und breit kein Sommerloch zu entdecken. Für Personaldienstleister heißt das, wer in dieser Zeit ausruht, läuft Gefahr den Anschluss zu verlieren und wichtige Potenziale ungenutzt zu lassen. Statt Hängematte ist also durchstarten angesagt.

  1. Auf allen Kanälen aktiv sein

Da potenziellen Bewerbern von Juni bis August ein großes Angebot an Jobinseraten zur Auswahl steht, kann es sinnvoll sein, den Schwerpunkt auf andere Recruitingkanäle zu legen. Direktansprache und auch Social Media bieten hier beispielsweise gute Ansatzpunkte. Zwar ist sicherlich ein Teil Ihrer Zielgruppe im Urlaub, gleichzeitig ruht aber auch bei vielen Ihrer Wettbewerber die Direktansprache. Ein Vorteil, den Sie nutzen können. Daneben können auch Imageanzeigen ein sinnvoller Weg sein, sich von den Wettbewerbern im Stellenmarkt abzuheben und gerade auch Passiv-Suchende zu erreichen.

  1. Schneller sein

Die Jobinteressenten, die im Sommer nach einer neuen Beschäftigung suchen, werden mit ihren Bewerbungen in vielen Fällen auf verlassene Recruitingabteilungen stoßen. Sorgen Sie dafür, dass das bei Ihnen nicht passiert und stellen Sie sicher, dass auch in der klassischen Urlaubszeit alle Eingänge sofort bearbeitet werden. Wenn Sie in den Sommermonaten besonders schnell auf Bewerbungen reagieren, können Sie der Konkurrenz einfacher zuvorkommen.

  1. Den Mitarbeiterpool nutzen

Die Zahl der ausgeschriebenen Stellen ist im Sommer höher als im Jahresdurchschnitt. Die Unternehmen sind verstärkt auf der Suche nach neuen Mitarbeitern und in dieser Zeit entsprechend empfänglich für Ihre Angebote. Sommerzeit ist also Akquisezeit, nutzen Sie Ihren Mitarbeiterpool wo immer es möglich ist.

  1. Das neue AÜG nicht vergessen

Im September greifen erstmals die Regelungen der AÜG-Reform zur Höchstüberlassungsdauer. Bei Mitarbeitern, die dann mehr als 18 Monate im entleihenden Unternehmen gearbeitet haben, können erhebliche Bußgelder für Zeitarbeitsunternehmen und Entleiher fällig werden. Nutzen Sie die hohe Nachfrage auf Unternehmensseite in den Sommermonaten, um Ihre Mitarbeiter neu zu platzieren und damit die Höchstüberlassungsdauer nicht wirken zu lassen. Werden Sie jetzt aktiv, nicht erst kurz vor Ablauf der 18 Monate.

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