Aus dem Leben einer Recruiterin: #2

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…ein guter Recruiter braucht Herz, Bauch und Verstand!

Diese 5 Eigenschaften sollte jeder Recruiter mitbringen

Mittlerweile bin ich seit über zehn Jahren auf dem HR-Markt tätig und kann sagen, dass die Anforderungen an Recruiter immer höher werden. Durch den Fachkräftemangel hat sich der Konkurrenzkampf zwischen den Arbeitgebern zugespitzt, sodass es in den letzten Jahren immer schwieriger geworden ist, die passenden Mitarbeiter für sich zu gewinnen. Umso wichtiger ist es, dass man als Recruiter bestimmte Eigenschaften und Qualitäten mitbringt – denn Fachwissen allein reicht heutzutage nicht mehr aus, um sich im „War for Talents“ durchzusetzen.

Die meiner Meinung nach fünf wichtigsten Eigenschaften habe ich euch in dieser Liste zusammengestellt:

1. Eine ausgeprägte Menschenkenntnis

HR ist klassisches „People Business“. Die erste Qualität, die ein Recruiter für mich also mitbringen sollte, ist eine ausgeprägte Menschenkenntnis.

Dabei geht es aber nicht nur darum, die fachlichen Fähigkeiten des Kandidaten zu bewerten. Viel wichtiger ist es einschätzen zu können, in wieweit die Persönlichkeit und die sozialen Kompetenzen des Bewerbers zum Unternehmen passen – Stichwort „Cultural Fit“. Dabei sollten sich die Wertvorstellungen des Arbeitnehmers und Arbeitsgebers so weit wie möglich miteinander decken. Während die fachliche Eignung in der Regel schon aus dem Lebenslauf erkennbar ist, kann die kulturelle Passung des Bewerbers – und das kann auch kein Algorithmus übernehmen – einzig und allein in einem persönlichen Gespräch festgestellt werden.

Apropos Fachwissen: Ich bin der Meinung, dass die persönliche Eignung mindestens genauso wichtig ist wie die fachliche. Das liegt daran, dass fehlende Fachkenntnisse immer aufgeholt werden können – gerade dann, wenn der Kandidat eine hohe Arbeitsmoral und engagierte Haltung mitbringt.

2. Unternehmerisches Denken

Natürlich muss man als Recruiter ein wahrer „Menschenexperte“ sein. Daneben gilt jedoch: Man darf die Ziele und Visionen des Unternehmens nicht aus den Augen verlieren.

Als Personaler sollte man nie vergessen, dass man im Auftrag eines Unternehmens handelt und direkter Repräsentant dieser Firma ist. Nur wenn man sich als Mitarbeiter mit der Firma identifiziert, kann man auch zum Unternehmenserfolg beitragen. Es ist also ein absolutes Muss, dass man im HR-Bereich auch unternehmerisch, d. h. langfristig aus der Perspektive des Unternehmens denkt. Kein Recruiter kann einen Kandidaten nur auf Basis von Sympathie einstellen. Das bedeutet zum Beispiel, seine Aufgaben an den Interessen des Unternehmens auszurichten und so effektiv wie möglich zu organisieren und zu priorisieren. Deshalb lohnt es sich, die Kostenstruktur des Unternehmens stets im Blick zu haben und sich an den wichtigsten KPIs wie Cost-per-Hire (CPH) und Time-per-Hire (TPH) zu orientieren. Weitere wichtige Indikatoren sind die Zufriedenheit der Bewerber und die Effektivität der Bewerbergewinnung nach Kanal. Kennzahlen sind natürlich nicht alles, aber sie helfen einem dabei, den (finanziellen) Überblick zu behalten.

Recruiting Kennzahlen

3. Die Kunst, einen bleibenden Eindruck hinterlassen

Immer wieder wird vergessen, dass sich Bewerber nicht nur dem Unternehmen verkaufen müssen, sondern es auch anders herum ist: Die Firma muss sich ebenso von ihrer besten Seite präsentieren, um die passenden Kandidaten für sich zu gewinnen. Personaler sollten sich darüber bewusst sein, dass die „Candidate Experience“ enormen Einfluss darauf hat, ob sich ein Bewerber letztendlich für die Stelle entscheidet. Diese umfasst alle Berührungspunkte, die der Kandidat während des Bewerbungsprozesses mit dem potenziellen Arbeitgeber macht.

Dementsprechend lege ich sehr viel Wert darauf, jedem Bewerber einen transparenten, ehrlichen und verbindlichen Bewerbungsprozess zu bieten – von der ersten Kontaktaufnahme über das Vorstellungsgespräch bis hin zur Zu- oder Absage. Hierbei ist es wichtig, langfristig zu denken! Denn ein Bewerber, dem man die Stelle letztendlich nicht anbieten kann, kommt in Zukunft möglicherweise doch noch für eine andere Stelle in Frage.

Darüber hinaus ist es während dieses Bewerbungsprozesses grundlegend, dass man für das eigene Unternehmen werben kann. Und auch hier gibt es von mir wieder ein großes „Aber“: bitte nur aus voller Überzeugung! Als Vertreter des Unternehmens sollte man voll und ganz hinter diesem stehen. Ist dies gegeben, dann sind Fähigkeiten wie Überzeugungsfähigkeit und Verkaufsgeschick mehr als hilfreich, um neue Mitarbeiter zu gewinnen.

4. Sicher auf jedem Parkett

Egal, in welcher Branche: In einem Unternehmen arbeiten immer die unterschiedlichsten Menschen. Das fängt schon beim Alter bzw. der Berufserfahrung an – in den meisten Firmen sind vom Azubi bis zum C-Level-Kandidaten alle Hierarchiestufen vertreten. Deshalb ist es wichtig, dass man sich auf jedem Parkett sicher bewegen kann. Das erfordert Standing und Selbstbewusstsein!

Zudem ist mir bei meiner täglichen Arbeit eine Kommunikation auf Augenhöhe extrem wichtig. Dazu gehört auch, dass man sich Gedanken zur Ansprache macht: Spreche ich den Bewerber jetzt per Sie oder per Du an? Anpassungsfähigkeit und Flexibilität sind meiner Meinung nach also Eigenschaften, die jeder gute Recruiter mitbringen sollte.

Und das bringt mich auch schon zu meinem nächsten und letzten Punkt.

5. Interesse und Neugier

Die Menschen, mit denen man als HR-ler in Kontakt kommt, unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihres Alters, sondern sind auch in ganz anderen Fachbereichen tätig: Marketing, Sales, IT – jede Abteilung hat ihre ganz eigenen Aufgaben und Herausforderung, die man als Personaler alle kennen muss. Recruiter müssen also bezüglich der Aufgaben innerhalb des Unternehmens und der allgemeinen Branchentrends immer auf dem neuesten Stand bleiben.

Deswegen finde ich es wichtig, dass man als Recruiter ein breites Interesse an unterschiedlichen Themen hat, neugierig ist und vor allem die Ausdauer hat, sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Nur so kann man zum Beispiel Kandidaten im Vorstellungsgespräch die passenden Fragen stellen und Vertrauensperson für alle Mitarbeiter sein.

Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen

Fazit: Lebenserfahrung ist hilfreich!

Kann man also lernen, ein guter Recruiter zu sein? Jein. Natürlich kann man sich Fähigkeiten und Wissen aneignen, aber über bestimmte Persönlichkeitsmerkmale sollten HR-ler einfach verfügen. Ob man zum Beispiel eine gute Menschenkenntnis einfach so aufbauen kann, das wage ich zu bezweifeln. Was sicherlich hilft ist Lebenserfahrung. Aber auch die muss man erst einmal „sammeln“. 😉

Mein Fazit: Ein guter Recruiter braucht Herz, Bauch und Verstand! Und somit kann auch kein künstlicher Algorithmus die Arbeit eines Recruiters übernehmen. Aber dazu erzähle ich euch in einem meiner nächsten Beiträge mal mehr.

Bis dahin: frohes Suchen noch!

Eure Jasmin

Bildquellen: William Iven und Ali Yahya, Unsplash.com

White Paper Social-Media-Recruiting

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