Aus dem Leben einer Recruiterin #8

Duales Studium Personalmanagement

Melina sagt: So sieht ein Duales Studium im Personalmanagement aus
– ein Erfahrungsbericht

Die Themen:

Melina sagt - Duales Studium Personalmanagement

Hallo, ich bin Melina, 20 Jahre alt und habe im Oktober letzten Jahres mit meinem Dualen Studium im Fach Personalmanagement begonnen und bin seitdem in der HR-Abteilung von index tätig. Bei index an sich bin ich aber schon länger, weil ich davor bei der Guten Tat, unserer gemeinnützigen Stiftung, mein Freiwilliges Soziales Jahr abgelegt habe. Unser Geschäftsführer und ehemalige HR-Managerin kamen am Ende meines FSJs auf mich zu und haben mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, bei index dual zu studieren. So viel also schon zum Thema internes Recruiting! Ein super wichtiger Weg, um neue Mitarbeiter zu gewinnen.

Die Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen, zumal ich denke, dass ein Studium im Personalmanagement einem viele Karriere-Möglichkeiten bietet. Das Fach ist eine gute Basis und Leute im HR-Bereich werden bestimmt auch in Zukunft immer gesucht. Außerdem finde ich, dass der Job charakterlich zu mir passt.

Hier ein paar schnelle Facts zu meinem Studium:

  • Ich studiere dual, arbeite und studiere also zugleich.
  • Das Studium dauert 3 ½ Jahre.
  • Ich gehe 2 Tage die Woche in die Uni, 3 Tage bin ich im Büro.
  • Während des Semesters arbeite ich 20 Stunden, in der vorlesungsfreien Zeit 40 Stunden.
  • Zurzeit bin ich im 1. Semester, im April beginnt das Zweite.

→  Infobox: Personalmanagement studieren

Nur wenige Universitäten, zumeist private, bieten Personalmanagement als eigenständigen Studiengang an. Normalerweise ist es so, dass man als angehende/r Personaler*in BWL mit Schwerpunkt Personalmanagement studiert. Auch ein Studium in Fächern wie Wirtschaftspsychologie, Jura oder Sozialwissenschaften bilden eine gute Basis für eine Karriere im Personalwesen, da gewöhnlich auch hier Inhalte aus den Human Resources zum Studium gehören.

Was lernt man im Personalmanagement Studium?

Recruiter sind heutzutage natürlich besonders begehrt auf dem Arbeitsmarkt, weil die Unternehmen gute Bewerber brauchen. Allerdings hat mein Studium keinen großen Recruiting-Bezug, sondern bezieht sich eher auf das „HR-lern“ im Allgemeinen. Trotzdem spielt es in meinem Arbeitsalltag zurzeit eine Rolle, weil ich hier bei index stark in die Mitarbeitergewinnung eingebunden bin.

Ausgebildet werde ich zur „klassischen“ Personalerin, nicht zur Recruiterin. Die beiden Rollen kann man gut mit dem Hunter-Farmer-Modell aus dem Vertrieb vergleichen: Recruiter sind eher die Hunter, die auf Bewerberfang sind; Personalmanager fallen eher in die Rolle des Farmers, indem sie immer ein offenes Ohr für die Mitarbeiter haben und eine Art Vermittler zwischen Mitarbeitern und Geschäftsetage sind – mit dem Ziel, zur Mitarbeiterbindung beizutragen.

„Für das Studium braucht man viel Selbstdisziplin!“

Module in meinem Studiengang sind zum Beispiel Personal- und Unternehmensführung oder Personalauswahl, -entwicklung und -bindung, genauso wie die Vertiefung Personalmarketing. Dazu lernen wir die Grundlagen in Fächern wie BWL, VWL und Arbeitsrecht. Auch zu Personaldienstleistungen und -beratungen gibt es einen Kurs. In diesem werden wir die verschiedenen Arten von Personaldienstleistungen kennenlernen und erfahren, wie zum Beispiel Change-Management oder Outplacement-Beratungen funktionieren. Hier wird es dann auch kurz um Active Sourcing gehen – und genau an dieser Stelle merkt man schon den Unterschied zwischen Theorie und Praxis, weil dieses Modul erst im 5. Semester drankommt, ich mich aber durch die Arbeit bei index schon mit dem Thema auskenne und Erfahrung darin habe.

Jetzt im ersten Semester haben wir drei Vor-Ort-Kurse und ein Fernstudium-Kurs, das wir zu Hause am Computer absolvieren. Was ich jetzt schon sagen kann: Für das Studium braucht man viel Selbstdisziplin! Nach der Uni oder Arbeit muss man sich dann noch einmal hinsetzen, um Nachbereitungen zu treffen, Hausarbeiten zu schreiben oder zu lernen.

Wie ist es, gleichzeitig zu studieren und zu arbeiten?

Apropos Theorie und Praxis: Das ist natürlich das USP eines Dualen Studiums. Die Mischung ist auch das, was mir besonders gut an dem Studium gefällt: Zwei Tage bin ich in der Uni unter „Artgenossen“, wenn ich das so sagen darf, und drei Tage auf der Arbeit. Das macht das Ganze auch sehr abwechslungsreich.

Gleichzeitig ist das Pensum dadurch sehr hoch: Das Duale Studium im Personalmanagement ist keines, das man absitzen kann! Während des Semesters gehe ich zur Uni und arbeite, am Ende gibt es eine Prüfungsphase (heißt: lernen) und danach gibt es eine vorlesungsfreie Zeit. Andere Studierende haben Semesterferien, ich gehe Vollzeit arbeiten. Auch in dieser Zeit liegt die Uni aber nicht komplett auf Eis liegt. Nebenbei muss ich noch Hausarbeiten abgeben. Wenn ich also um 17, 18 Uhr nach Hause komme, schreibe ich noch an meinen Arbeiten weiter. Auch das heißt wieder: Selbstdisziplin! Damit kann ich also auch mit dem Klischee aufräumen, dass Studenten alle nur faul sind und nichts tun.

Aber, nicht, dass es noch Beschwerden gibt: In der vorlesungsfreien Zeit kann ich Urlaub nehmen, der vom Arbeitgeber genehmigt werden muss.

→  Infobox: Zeitmodelle im Dualen Studium

Im Dualen Studium gibt es zwei Studienmodelle: das Block- und das Wochenmodell. Bei ersterem ist man mehrere Wochen am Stück entweder in der Uni oder am Arbeitsplatz. Bei letzterem wechselt man häufiger, ist zum Beispiel zwei Tage die Woche in der Uni und drei auf der Arbeit. Deshalb wird dieses Modell auch geteilte Woche genannt. Nach welchem Modell studiert wird, hängt von der Hochschule und dem Partnerunternehmen ab.

In meiner Klasse sind wir derzeit etwa 30 Leute, was sehr angenehm ist. Interessant ist übrigens, dass wir nur 6 Männer in meiner Klasse haben. Meine Kommiliton*innen sind auch aus ganz verschiedenen Richtungen: Manche kommen direkt von der Schule, andere haben schon etwas studiert und orientieren sich jetzt um. Zum Beispiel gibt es einige, die Jura studiert haben. Das hat ja auch Überschneidungen, gerade beim Thema Arbeitsrecht. Außerdem sind auch die Praxisunternehmen aus verschiedenen Branchen, über diese Unterschiede kann man sich in der Uni dann auch gut austauschen. Übrigens haben die Dozenten auch sehr viel Praxiserfahrung, haben zum Beispiel ihr eigenes Unternehmen. Da kann es sogar passieren, dass die Vorlesung mal kurz unterbrochen werden muss, weil die Lehrkraft einen wichtigen Video-Call hat.

Wie findet man ein passendes Unternehmen für das Duale Studium?

Bei uns gibt zwei Wege: Entweder hat man schon, bevor man sich überhaupt um den Studienplatz bewirbt, ein Partnerunternehmen gefunden. Oder aber man bewirbt sich erst, macht dann den Einstellungstest und sucht sich dann mithilfe der Studienberatung einen Praxispartner. Diese schlagen einem dann, passend zu den eigenen Interessen, Unternehmen vor. Bei diesen muss man sich dann aber auch noch wie jede*r andere bewerben! Heißt, Bewerbung schreiben und zum Vorstellungsgespräch gehen. Gut zu wissen: Findet man kein Unternehmen, wird man zum Studium im Personalmanagement bei uns nicht zugelassen! Erst wenn man einen Praxispartner hat, kann man gegebenenfalls zum nächsten Semester starten.

Wie sieht’s mit der Finanzierung aus?

„Im Dualen Studium hat man eine Verantwortung gegenüber dem Unternehmen.“

Was auch nicht vergessen darf, ist das Finanzielle: Hier muss man sich mit dem Unternehmen absprechen. Normalerweise bekommt man ein Gehalt, schließlich arbeitet man ja. Wie hoch das ist, ist sehr unterschiedlich: Manche zahlen weniger, übernehmen dafür aber die Kosten für den Studiengang Personalmanagement. Oder man kriegt ein höheres Gehalt und muss die Kosten, wie den Semesterbeitrag und das Semesterticket selbst übernehmen. Bafög kann man natürlich beantragen.

Im Dualen Studium hat man eine Verantwortung gegenüber dem Unternehmen, das ist so. Das Unternehmen finanziert dich und erwartet deshalb auch eine bestimmte Leistung von dir. Gleichzeitig möchte die Firma natürlich auch, dass man sein Studium besteht und unterstützt einen dabei.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um Personalmanagement dual studieren zu können?

Für das Duale Studium im Personalmanagement wird die Fachhochschulreife oder ein äquivalenter Abschluss vorausgesetzt. Einen NC gab es bei meinem Studium nicht, was ganz schön ist, weil die Abschlussnote nicht zählt. Dafür aber einen Zulassungstest. Ich musste Fragen zum Allgemeinwissen, Deutsch, Englisch, Mathe usw. beantworten. Der Test dauert 90 Minuten und man muss 50 Prozent bestehen, dann wird man zugelassen.

Welche Eigenschaften man für den Beruf mitbringen sollte, hatte Jasmin ja schon einmal erzählt. Ganz wichtig finde ich zum Beispiel Empathie. Für das Studium an sich braucht man, wie gesagt, Selbstdisziplin. Gerade bei Fächern wie Buchführung, sollte man jedes Mal anwesend sein, ansonsten verliert man den Anschluss und ist im schlimmsten Fall raus – also aus dem gesamten Studium. Da habe ich auch erst Mal ein wenig Angst bekommen, aber das einzige, das hilft, ist es sich ranzuhalten. Von Vorteil ist es, wenn man schon Erfahrungen im kaufmännischen Bereich hat. Aber auch ohne Vorerfahrung schafft man es, wenn man sich bemüht. Was eigentlich hinter der Selbstdisziplin stecken sollte, ist Motivation! Wer nicht motiviert ist, der setzt sich nach der Arbeit auch nicht mehr freiwillig hin und lernt.

Flexibilität und Spontanität sind auch wichtig, weil es immer sein kann, dass man nach der Uni spontan noch einmal zur Arbeit muss. Zum Beispiel, wenn ein Bewerbungsgespräch ansteht, das man nicht verpassen möchte.

Was steht jetzt an?

„Man muss viel investieren, aber ich denke, dass es sich lohnen wird.“

Jetzt bin ich in der vorlesungsfreien Zeit und arbeite 40 Stunden, was für mich eine ganz neue Erfahrung ist. Aber ich freue mich auch schon auf die kommende Zeit. Das erste Semester habe ich hinter mir, das zweite fängt Mitte April an. Was ich jetzt schon sagen kann ist, dass meine Kommiliton*innen und ich in der Praxis schon alle vor der Theorie sind.

Was ich auch schon gemerkt habe: Das ist kein Studium, das man einfach absitzt. Man muss viel investieren, aber ich denke, dass es sich lohnen wird. Denn danach bringt man für den Jobeinstieg alle wichtigen Voraussetzungen mit und hat danach sicherlich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Und gerade, da ich jetzt im Recruiting arbeite, kann ich schon sagen, dass Arbeitserfahrung super wichtig ist. Ich würde fast schon so weit gehen und behaupten, dass Bewerber mit Berufserfahrung die besseren Kandidaten sind. Ein toller Studienabschluss kann da nicht mithalten. Das Duale Studium im Personalmanagement ist also eine gute Vorbereitung auf das „echte“ Arbeitsleben.

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