Das Recruiting wird digitaler – hoher Einstellungserfolg auch in Corona-Zeiten

05.06.2020|HR Studien|

Seit nun mehr als zwei Monaten analysieren wir die aktuellen Entwicklungen auf dem Stellenmarkt und zeigen in unserem wöchentlichen Corona-Update, wer derzeit verstärkt nach Fachkräften sucht.

Doch wie haben die Kontaktbeschränkungen das Recruiting verändert? Und welche Maßnahmen werden von den Unternehmen ergriffen, um nicht nur eine Ansteckung sowie eine Ausbreitung des Covid-19 Virus zu verhindern, sondern auch in der aktuellen Phase neue Mitarbeiter*innen zu gewinnen? Wir von index Research haben 515 Personalverantwortliche aus verschiedenen Unternehmen sowie Personalvermittler und Zeitarbeitsfirmen befragt, die in den letzten zwei Monaten kostenpflichtige Stellenanzeigen veröffentlicht haben. Das Ergebnis: Digitale Bewerbungsgespräche haben deutlich an Bedeutung gewonnen und die meisten Unternehmen konnten ihre offenen Stellen besetzen.

39 Prozent setzen auf digitale Bewerbungsgespräche

Während 42 Prozent der Unternehmen Telefongespräche mit potenziellen Kandidaten durchführten, haben sich 39 Prozent der Personaler für digitale Bewerbungsgespräche über Videoanbieter, per zeitversetztem Video oder per Chat, entschieden.

Für die meisten dieser Unternehmen sind digitale Bewerbungsprozesse vertrautes Terrain. So haben mehr als die Hälfte bereits vor den Kontaktbeschränkungen Online-Gespräche für ein erstes Kennenlernen und weitere 25 Prozent für Vorstellungsgespräche durchgeführt. Jedoch setzten rund 39 Prozent der Unternehmen im Zusammenhang mit den bestehenden Kontaktbeschränkungen erstmalig auf digitale Vorstellungsgespräche.

Drei Viertel finden digitale Bewerbungsgespräche auch deutlich flexibler. Schließlich sind Videotelefonate leicht aus dem Home-Office durchführbar, wenn die technischen Voraussetzungen stimmen.

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Studie zum Recruiting
in der Corona-Phase

Studie zum Recruiting in der Corona-Phase

Digitale Bewerbungsgespräche in Zukunft

Doch wie geht es nach Corona weiter? Bleibt die Euphorie und werden Videointerviews dann weiterhin zum Alltag von Recruiter*innen gehören? Die Antwort ist eindeutig: 4 von 5 Unternehmen gehen davon aus, dass digitale Bewerbungsgespräche auch nach Corona Bestandteil des Bewerbungsprozesses bleiben werden.  Gerade einmal 13 Prozent finden digitale Gespräche zu unpersönlich und drei Prozent würden in Zukunft auf digitales Vorstellen verzichten.

70 Prozent konnten Bewerber einstellen

Die Einstellungsquoten sind positiv. 70 Prozent der Unternehmen konnten ihre offenen Positionen besetzen. Weitere 14 Prozent werden in den kommenden zwei Wochen Bewerber*innen einstellen. Bei Teilnehmern, die angaben, dass sie Bewerbungsgespräche über Videointerviews, zeitversetzte Videocalls und per Chat durchgeführt haben, lag der Besetzungserfolg bei 81 Prozent. Ob Telefongespräche, Videokonferenzen oder Bewerbungsgespräche im Büro unter Beachtung der Hygieneauflagen – das Recruiting geht auch in der Corona-Phase weiter.

Die Hälfte der Teilnehmer arbeitet im Home-Office

Viele Unternehmen haben sich in den letzten Monaten digital neu aufgestellt, nicht nur im Recruiting.  Es arbeiten so viele Menschen wie noch nie aus dem Home-Office, zeigen die Ergebnisse. Dennoch ist ersichtlich: Home-Office ist nicht überall möglich und so sind die Personalverantwortlichen bei diesem Thema zweigespalten. 19 Prozent der Befragten HR-Experten arbeiten derzeit von zu Hause aus. Davon sind sechs Prozent das erste Mal im Home-Office, dementsprechend ist das Arbeiten in den eigenen vier Wänden eine völlig neue Erfahrung. Die weiteren 13 Prozent konnten aber bereits vor der Corona-Phase hin und wieder am heimischen Rechner arbeiten und kannten bereits die Vor- und Nachteile, die das Home-Office mit sich bringt. Rund ein Drittel wechselt zwischen dem Office und dem Home-Office.

Demgegenüber stehen die etwa 20 Prozent, die sich bewusst gegen Home-Office entschieden haben und bei rund 27 Prozent ist dieses im eigenen Unternehmen schlicht und einfach nicht möglich.

Die Quote hängt stark mit der Branche der Teilnehmer zusammen. Im Gesundheitswesen ist Home-Office seltener eine Option. Hier haben nur neun Prozent die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. 70 Prozent konnten nicht wählen oder haben sich dagegen entschieden.

Auch im öffentlichen Dienst ist Home-Office weniger stark verbreitet. Keiner der Teilnehmer gab an, dass er bereits zuvor Erfahrungen mit der Arbeit am heimischen Schreibtisch sammeln konnte. Dafür haben immerhin genau 40 Prozent nun die Möglichkeit dazu.

In der IT- und Internetwirtschaft gibt es die besten Voraussetzungen für mobiles Arbeiten: 48 Prozent arbeiten im Home-Office, davon habe zwei Drittel bereits zuvor Erfahrungen sammeln können. Nur ein Personaler hat angegeben, dass in seiner Firma kein Home-Office möglich ist. Auch hier bleibt es spannend, wie sich das Thema Home-Office in Zukunft entwickeln wird.

Zur Studie: Mittels eines Online-Fragebogens befragte index Research im Zeitraum vom 12. bis 20. Mai 2020 insgesamt 515 Personen mit Personalverantwortung. 13,4 Prozent arbeiten als Personalvermittler oder in der Zeitarbeit. Alle Teilnehmer wurden zufällig aus öffentlichen Stellenanzeigen ausgewählt. Teilnahmekriterium war mindestens eine kostenpflichtige Stellenanzeige in den letzten zwei Monaten.

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