Diversität in Stellenanzeigen

27.02.2020|Allgemein|

Wie vielfältig ist Deutschland?

Wie alt du bist, wie du aussiehst oder wen du liebst… all das sollte nicht in die Entscheidung über deine Einstellung bei einem Unternehmen entscheiden, oder? Doch wie divers ist der deutsche Stellenmarkt tatsächlich? Alle Stellenausschreibungen und Jobangebote sollten sich stets an qualifizierte Bewerber*innen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung, Behinderung, Religion und Weltanschauung richten. Ob das in der Praxis so ist? Wir haben genauer hingeschaut.

All Genders Welcome

Seit dem 1. Januar 2019 müssen in Deutschland Jobinserate genderneutral formuliert werden. Damit soll auch das dritte Geschlecht bzw. intersexuelle Personen angesprochen werden, die sich nicht eindeutig einem Geschlecht zugehörig fühlen oder Merkmale von beiden in sich tragen.

Doch halten sich tatsächlich alle Unternehmen daran? Um das herauszufinden, haben wir von index Anzeigendaten die Zahlen des Januar 2019 gegenüber denen des Januar 2020 ausgewertet.

Wir haben uns dafür die Formulierung (m/w/d) vorgenommen. Ergebnis: Anfang 2019 wurde in 38 Prozent der Anzeigen neben dem männlichen und weiblichen Geschlecht auch die Form „divers“ genutzt, im Januar dieses Jahres (2020) bereits in knapp 64 Prozent aller Stellenanzeigen.

Bezieht man noch weitere Formen ein, liegt dieser Anteil voraussichtlich ein wenig höher.Einige Inserate in Stellenzeigen verwenden die Formulierung „All genders“ hinter der Jobbezeichnung. Eine weitere Schreibweise, die Intersexuelle und Transpersonen miteinschließt, ist (m/w/i/t).

Für Recruiter*innen gilt: Wenn ihr unsicher seid, wie euer Gegenüber angesprochen werden will (Ein Äquivalent zu sie/er für Intersexuelle gibt es im deutschen Sprachgebrauch nicht), wählt einfach den Vornamen der Person.

Infobox: Weitere Verwendungen

(m/w/a) = männlich/weiblich/anders

(m/w/gn) = männlich/weiblich/geschlechtsneutral

(m/w/i) = männlich/weiblich/intersexuell

(m/w/x) = männlich/weiblich/egal (x = Geschlecht nicht definiert)

(m/w/*) = männlich/weiblich/Asterisk (* = beliebiges Geschlecht oder Fußnote)

Formulierungen in Stellenanzeigen

In welchem Zusammenhang wird der Begriff Gender oder Genderneutralität in Stellenanzeigen genannt? Das Wort Gender im Kontext der Offenheit und Diversität wurde 2020 bislang bereits 1.103-mal erwähnt. Oft geschieht dies im Zusammenhang mit der Firmenphilosophie, die Genderneutralität, Toleranz und Offenheit hochhält. So wird besonders auf die Werte des Teams und des Unternehmens hingewiesen.

Zum Beispiel: „Wir engagieren uns auch im Hinblick auf Personen mit Behinderung für Diversität in unseren Teams.“

Achtung AGG: Im Allgemeinen Gleichstellungsgesetz wird aufgeführt, welche Formulierungen in Stellenanzeigen gar rechtswiedrig sind, da sie eine Diskriminierung darstellen. Ein Beispiel: Im September 2018 wurde in rund 11.500 Jobangeboten explizit „Deutsch als Muttersprache“ von den Bewerbern verlangt. Dies setzt naturgemäß voraus, dass der neue Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin aus Deutschland stammt und stellt damit eindeutig eine Diskriminierung nach Herkunft und einen Verstoß gegen AGG dar. Mehr dazu.

Mitarbeiter mit Behinderung: Inklusion leben?

In den ersten beiden Monaten des Jahres 2020 wurden bereits in 33.206 Positionen von 4.052 Firmen behinderte oder benachteiligte Personen erwähnt. Doch in welchem Kontext geschieht dies in Stellenanzeigen?

Anzeigen-Kontext: Dabei geht es nicht immer explizit um Jobangebote für Menschen mit Einschränkungen und Behinderung, sondern z. B. auch um gemeinnützige Vereine, die individuelle Hilfen für Menschen mit geistiger Behinderung anbieten. Oder es geht um Inklusion, zum Beispiel in Form von enger Zusammenarbeit mit Personen, die aufgrund körperlicher und/oder geistiger Behinderungen auf professionelle Unterstützung angewiesen sind. Auch gibt es immer mehr Projekte oder öffentliche Employer-Branding-Kampagnen, in denen Wert auf Barrierefreiheit und einfache Sprache gelegt wird.

Infobox: Einstellungsquote von Menschen mit Behinderungen

Private und öffentlich-rechtliche Arbeitgeber, die über mindestens 20 Arbeitsplätze verfügen, sollten mindestens 5 Prozent der Arbeitsplätze an schwerbehinderte Menschen vergeben (§ 154 Absatz 1 SGB IX). Da es auf die Zahl der bei dem Arbeitgeber insgesamt vorhandenen Arbeitsplätze ankommt, ist auch ein Arbeitgeber mit mehreren Betriebsteilen (zum Beispiel Filialen), die jede für sich weniger, zusammen aber mehr als 20 Arbeitsplätze haben, beschäftigungspflichtig.

Immerhin: Immer mehr Firmen schreiben bereits in ihrer Jobbschreibung oder auf ihren Karriereseiten, dass Menschen mit körperlicher oder psychischer Beeinträchtigung vor anderen Bewerbern bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingeladen werden.

Diversity Management als Job

Der Begriff Diversity definiert die Wertschätzung aller Menschen unabhängig von ihrer sozialen, ethnischen etc. Herkunft, ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religionszugehörigkeit oder Weltanschauung, ihrem Lebensalter, ihrer physischen oder psychischen Fähigkeiten oder anderer Merkmale ab, zielt also auf ein Spektrum der Vielfalt ab.

Diversity kam als Wort in Stellenanzeigen dieses Jahr bisher in knapp 2.900 Inseraten von 525 Firmen vor.

Diversity Management gibt es übrigens auch als Job. Diese Position ist ein Teilbereich des Personalmanagements und beinhaltete die Aufgabe, die soziale, kulturelle und ethnische Vielfalt der Mitarbeiter zu fördern und zum Wohl des Unternehmens einzusetzen. Aufgaben sind unter anderem Entwicklung von Diversity Strategien, Einhaltung rechtlicher Bestimmungen, Verfolgen von gesellschaftlichen Trends und Organisation von Veranstaltungen, die die Vielfalt fördern.

Übrigens: Am 26. Mai findet der 8. Deutsche Diversity-Tag statt.

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Bilder: unspash.com/pixaby.com

Studie index Recruiting-Report 2020

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