Es kommt was ins Rollen

Top oder Flop:  E-Scooter Firmen und wie sie funktionieren

Seit dem 15. Juni dürfen sogenannte E-Scooter in Deutschland auf Straßen und Radwegen rollen. Man sieht sie überall: fancy, geräuschlos, nahezu unbemerkt und auch ein bisschen unheimlich gleiten sie durch den urbanen Raum. Elektrische Tretroller kann man in vielen Großstädten wie Hamburg, Köln oder Berlin mieten. Doch nicht überall verlief der Start unfallfrei und problemlos. Welche Firmen  hinter dem Hype stecken und wie das Geschäft mit den umstrittenen Flitzern funktioniert.

Diese Start-ups bieten den Service an

Tier Mobility, Circ, Voi und Lime sind die größten Anbieter der Tretroller, die bislang auf den vielversprechenden aber auch umstrittenen Markt strömen. Mieten kann man die kleinen Gefährten ganz einfach per App. Zuerst registriert man sich und gibt auch schon die Zahlungsmethode an. Dann kann man auf der Karte schauen, wo die Roller abgestellt sind. Zum Schluss muss man nur noch mit der App einen auf dem Gefährt angebrachten QR-Code scannen und den Zustand des Rollers vor Fahrtantritt prüfen. Fertig. Günstig ist der Spaß jedoch nicht gerade. Mit einem Durchschnittspreis von 15 Cent pro Minute ist man stündlich 9 Euro los. Ein stolzer Preis gemessen an öffentlichen Verkehrsmitteln oder einer Fahrradtour.

In den iOS Download Charts hat es Tier Mobility aktuell auf Platz 1 geschafft. Das Unternehmen bietet den Dienst auch in den meisten Städten an und zwar in Berlin, München, Düsseldorf, Köln, Bonn, Hamburg, Frankfurt am Main und Münster. Nach eigenen Angaben werden von dem Start-up in Berlin 550 Scooter, in Hamburg 600 und in Frankfurt 350 zur Verfügung gestellt. Konkurrent-Firma Lime ist mit mehreren hundert Rollern in Berlin, Köln und Hamburg vertreten. Das Start-up Voi nennt keine Zahl, hat aber E-Roller in Berlin und Potsdam aufgestellt. Circ ist zunächst nur in Berlin gestartet.

Was zur Axt ist ein Juicer?

Doch was machen die Mitarbeiter dort eigentlich den ganzen Tag und wer lädt die kleinen Flitzer wieder auf, wenn ihnen „der Saft“ ausgeht? Diese Leute nennen sich tatsächlich Juicer. Sie rennen in der Stadt herum, sammeln die „leeren“ E-Scooter ein und laden sie wieder auf. Auf diese Art können sie sich etwas dazuverdienen, nach unbestätigten Angaben etwa vier Euro pro Akku. Per App oder Stellenanzeige kann man sich dafür bewerben, Voraussetzung ist Führerschein Klasse B.
Doch diese neue Art der Beschäftigung findet nicht überall Fans: Wie die Juicer während der Fahrt versichert sind, ist zum Beispiel unklar, abgesehen davon reicht das Geld auch nicht, um davon leben zu können. Hauptberufliche Juicer gibt es also nicht.

Nicht alle Start-ups beschäftigen Juicer. Tier Mobility zum Beispiel arbeitet stattdessen mit einem professionellen Logistikunternehmen zusammen, welches das Aufladen der lautlosen Flitzer übernimmt. Die durchschnittliche Nutzungsdauer der E-Roller liegt nach ungefähren Angaben der Unternehmen bei etwa 14 bis 15 Minuten pro Fahrt.

Auszug aus einer Stellenanzeige

So werben Firmen für eine Tätigkeit im E-Scooter Business

„Du willst deinen Beitrag für deinen Planeten und dein Leben leisten?“
„Sportlich, zu Fuß unterwegs, schaust du, ob die Roller ordentlich an ihren Stationen stehen.“
„Dir liegt nicht nur das Thema Klimaschutz, sondern auch deine Geldbörse am Herzen ?“

So werben E-Scooter Anbieter für einen Job im Unternehmen. Die Haupt-Argumente sind also Bewegung, Umweltschutz und die Bezahlung von 11 bis 13 Euro die Stunde, was für ein Studentengehalt oberer Durchschnitt ist. Auch flexible Zeiteinteilung wird geboten. Über die App behalten Mitarbeiter den Überblick, ob alle E‐Scooter gut positioniert und aufgeladen sind.

 „Du erkundest deine Umgebung und machst die Stadt ein wenig umweltfreundlicher.“

Kritik an den E-Scootern gibt es genug

Die Mitte Mai beschlossenen Zulassungsregeln sehen vor, dass E-Scooter maximal 20 Kilometer pro Stunde auf Radwegen fahren dürfen. Trotzdem kommt es immer wieder zu Unfällen. In den USA, wo E-Tretroller schon länger „a thing“ sind, kann man anhand einiger Statistiken ungefähr einschätzen, wie gefährlich die Tretroller wirklich sind und welche Verletzungen am häufigsten auftreten.

Statistiken zweier Notfallambulanzen in Südkalifornien zeigen: Innerhalb von einem Jahr kamen 249 Patienten nach einem E-Scooter-Unfall in die Notaufnahme. Die meisten waren als Fahrer verunglückt. Die häufigsten Verletzungen waren Kopfverletzungen, gefolgt von Knochenbrüchen, Prellungen, Stauchungen und Platzwunden.

Welche Fehler im Verkehrsverhalten führen am häufigsten zu Verletzungen?

Das Hauptproblem der E-Scooter bestehe darin, dass im Vergleich zum Fahrrad die Fahrerposition eine ganz andere ist.
Die aufrechte Position mit dem kleinen Lenker als einzigen Verankerungspunkt ist eine relativ wackelige.
Hinzu kommt: Da einhändiges Fahren nicht möglich ist, kann man nicht mit der Hand „blinken“, um den übrigen Verkehrsteilnehmern einen Richtungswechsel zu signalisieren. Auch Bremsvorgänge und Beschleunigungen sind nicht absehbar. E-Scooter-Fahrer sind somit unberechenbar und führen zu Verunsicherung im Straßenverkehr.

Eine zukünftige Maßnahme könnte sein, dass das derzeitige Mindestalter von 14 Jahren heraufgesetzt, ein Führerschein Bedingung oder die Helmpflicht eingeführt wird.

Studie Interne Kommunikation

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