Gefährdete Berufsgruppen

Hilfe! Sterben wir bald alle aus?

gefährdete Berufsgruppen

Die Digitalisierung sucht sich ihre Opfer. Die allgemeine These ist: Kassierer, Bibliothekare und teilweise auch Texter werden in Zukunft nur noch als blasse Erinnerung an die gute alte Zeit existieren. Doch stimmt das wirklich? Müssen wir uns alle dem Druck der automatisierten Prozesse in der digitalen Welt beugen? Müssen wir wirklich mit ansehen, wie unsere ungelenken Handgriffe und fahrigen Raucherpausen durch die Effektivität einer bedürfnislosen Maschine ersetzt werden? Sind menschliche Qualitäten denn wirklich gar nicht mehr gefragt, sondern nur noch der schier unermüdliche Arbeitseifer, den selbst die Ritalin-befeuerteste Arbeitskraft nicht vorzuweisen imstande wäre? Das scheint nun doch utopisch. Ob und wie sich die Digitalisierung in den letzten Jahren wirklich auf dem Stellenmarkt bemerkbar gemacht hat, könnt ihr hier nachlesen.

Wo ist mein Biscotti?

Die klassische Sekretärin gibt es dieser Tage (zum Glück) kaum noch. Eine Studie von zwei Oxford Professoren und der Unternehmensberatung Deloitte im September 2018 hat ergeben, dass 47 Prozent der Arbeitsplätze in den USA durch die Fortschritte der Automatisierung gefährdet sind. Bürojobs haben zumindest, so die Studie, ein hohes Substituierbarkeitspotenzial, das heißt, diese Tätigkeiten könnten theoretisch bereits heute von Maschinen oder Robotern übernommen werden. Ganz oben auf dieser Liste stehen außer Bürokräften noch Jobs im Verkehrswesen sowie Gastronomie-Services.

Früher, als man noch SekretärInnen hatte, die gleichzeitig beraten, schreiben und organisieren und zusätzlich noch den Cappuccino aufschäumen und ein kleines Biscotti danebenlegen, das waren Zeiten, nicht wahr? Wie wäre es stattdessen mit einer Butler-App?

Im letzten Jahr wurden lediglich 34 SekretärInnen-Positionen auf dem deutschsprachigen Stellenmarkt ausgeschrieben. Natürlich ist die klassische Jobbezeichnung der Sekretärin schon lange durch einen fancy Jobnamen wie PMO (Project Manager Office) ersetzt worden. Doch trotz Apps und Project-Management Tools en masse werden immer noch genug Büro-Allrounder in den Offices der Metropolen gebraucht, es verändern sich lediglich die Aufgaben. Zumindest ist in den Stellenanzeigen hier seit 2012 kein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Kalenderfunktionen, Termin-Erinnerungen, all das nehmen diese schlauen Apps uns zwar ab. Doch ganz ohne Bürokräfte geht’s zumindest heute noch nicht.

Was machen eigentlich gerade die Briefzusteller so?

Eine weitere Prognose besteht darin, dass durch Apps ganze Wertschöpfungsketten wegfallen, zum Beispiel durch Apps, die Sicherheitssysteme ersetzen, fällt die Produktion und der Vertrieb von herkömmlichen Systemen weg. Kaum noch gesucht werden außerdem Briefträger/Briefzusteller sowie Reisebüro-Mitarbeiter.

Auch wenn altmodische Briefe ein kleines Retro-Comeback feiern, werden doch eher E-Mails und weihnachtliche WhatsApp-Grüße bemüht. Seit 2010 verzeichnet die Post einen Rückgang um 20 Prozent. Um diese Entwicklung auszugleichen, übernehmen Briefträger und BriefträgerInnen allerhand Zusatzaufgaben. So werden von ihnen Altkleider und Wertstoffe eingesammelt, oder sogar Stromzähler abgelesen. Trotz dieser Entwicklung sind wir noch lange nicht bei einer papierlosen, materialisierten Welt angekommen, wie bereits vor Jahrzehnten befürchtet wurde.

„Noch ist der Rückgang nicht auf dem Stellenmarkt angekommen.“

Ökonomen und Prognosen sehen schwarz, doch das Ende ist nicht so nah, wie wir denken. Die Zahlen unserer index Anzeigendaten Auswertung verraten nämlich nichts, außer einem Rückgang an weiblichen und männlichen Flugbegleitern.  Dies könnte jedoch auch an der allgemeinen Kritik gegenüber Inlandflügen und Vielfliegerei liegen.

Machen Car-Sharing Apps und autonomes Fahren Taxifahrer überflüssig?

Eine weitere Berufsgruppe, die in letzter Zeit viel zittern musste und immer noch nicht über den Berg ist: die Taxifahrer. Durch Car Sharing Apps wie Car2Go und Car-Pooling wie Clevershuttle, Berlkönig und Co, aber vor allem auch durch so genannte „Ride Hailing Services“ wie Uber sind Taxis nahezu überflüssig geworden.

⇒ Infobox: Ride Hailing

Unter einem Ride-Hailing-Service versteht man eine Dienstleistung der Personenbeförderung nach Anforderung eines Fahrdienstes. Dabei kann es sich um einen allgemeinen Mitfahrdienst oder einen spezialisierten Chauffeur- und Limousinen-Service für Hotels, Flughäfen oder Unternehmen handeln.

Factory WorkersDurch komplett autonome Fahrdienste in der Zukunft könnten all diese Branchen langfristig sogar komplett der Arbeitslosigkeit anheimfalten, ebenso Lkw-Fahrer und Logistiker.

Keine Panik: folgende Berufsgruppen sind zukunftssicher

Die gute Nachricht: Es siegt, wie immer, die Menschlichkeit. Denn überleben werden vor allem jene Jobs, die besondere Empathie oder andere typisch menschliche Fähigkeiten verlangen – wie Menschenkenntnis, Humor, oder Verhandlungsgeschick. Zum Beispiel betrifft das ErzieherInnen, zumal die Geburtenraten wieder steigen sowie Krankenpfleger und andere Gesundheitsberufe.

Und was lernen wir daraus? Erstmal keine Panik! Es kann gut sein, dass die Automatisierung und der damit verbundene Dematerialisierungsprozess doch nicht so schnell über die Bühne gehen wie gedacht. Davon abgesehen werden durch Digitalisierung, Arbeit 4.0 und Co. auch neue Berufe und damit Arbeitsplätze geschaffen. Viele davon sehen wir heute noch nicht einmal kommen. Und einen Trost wird es immer geben: Hey, man kann immer nebenbei als Juicer arbeiten.

Gender-Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern auf dieser Website die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.

Teilen Sie diesen Beitrag in den Sozialen Medien!

Anmeldung Newsletter

10 Tipps für bessere Karriere-Webseiten

White Paper Tipps für bessere Karriere-Webseiten