Rückblick auf den Jobmarkt 2019

21.01.2020|Arbeitsmarktanalyse|

Schlechte Performance der Wirtschaft zeigt sich auch auf dem Stellenmarkt

Jahresüberblick Stellenmarkt 2018

Schau‘ niemals zurück, sagt man ja so schön. Wir sind so frei und werfen trotzdem einen Blick auf das Jahr 2019 – und zwar auf den Stellenmarkt. Welche waren die stärksten und schwächsten Monate? Welche Mitarbeiter wurden am meisten gesucht? Und welche Rolle spielten Personaldienstleister dabei?

Monatsrückblick: Sommerloch nichts weiter als ein Mythos

Insgesamt wurden 2019 über 6,94 Millionen Stellenanzeigen in den von uns betrachteten Print- und Online-Medien in Deutschland geschaltet. Bei etwa 310.400 Firmen macht das im Schnitt 22 Anzeigen pro Unternehmen. Der stärkste Monat war dabei der Januar mit über 621.000 Inseraten, gefolgt vom Juli (über 617.000 Inserate) und August (fast 614.000 Inserate). Am Mythos, dass im Sommer weniger Stellen ausgeschrieben werden, ist also nichts dran, wie index letztes Jahr schon herausfand. Der schwächste Monat war erwartungsgemäß der Dezember mit rund 480.000 veröffentlichten Stellenanzeigen. Auch wenn es recht üblich ist, dass zum Jahresende weniger Anzeigen geschaltet werden, könnte der besonders schwache Dezember auch Ergebnis der stagnierenden Konjunktur sein.

Stellenmarkt 2019 nach Monaten

Von den über 6,94 Millionen Stellenanzeigen wurden 93,6 Prozent im Web veröffentlicht. Aber: Print ist noch längst nicht tot. Rund 441.000, also fast eine halbe Million Inserate wurden in Zeitungen, Zeitschriften und anderen Printmedien platziert.

Investment in Stellenanzeigen zu Jahresbeginn am höchsten

Pro Stellenanzeige wurde 2019 durchschnittlich 422 Euro investiert.

Anders als 2018 erreichte der Brutto-Anzeigenumsatz nicht im März, sondern im Januar 2019 seinen Höchststand, dem stärksten Monat bezüglich der aufgegebenen Anzeigen. Zu Jahresbeginn scheinen Personalverantwortliche also besonders motiviert und entschlossen gewesen zu sein, Neuzugänge zu finden. In Sparlaune waren sie hingegen im Juni und am Ende des Jahres: In diesen Monaten fiel der Brutto-Anzeigenumsatz am geringsten aus. Damit macht sich das schwache Wachstum der deutschen Wirtschaft auch in der Anzeigenschaltung zum Jahresende bemerkbar. Insgesamt wurde, unseren Schätzungen zufolge, im Durchschnitt 422 Euro pro Anzeige investiert.

Anzeigenumsätze Stellenanzeigen 2019

Das waren die meistgefragten Fachkräfte 2019

Die Top 3 Berufsgruppen, für die am meisten Stellenanzeigen geschaltet wurden, waren 2019 das Bauwesen und Handwerk, Technische Fachkräfte (inkl. Ingenieuren und Architekten) sowie der Vertrieb und Verkauf. Dabei konnte bei der Suche nach Handwerkern, Baufacharbeitern und Co. sogar die 1 Millionen Marke geknackt werden.* Weiterhin stark nachgefragt waren im vergangenen Jahr Mitarbeiter im Bereich Gesundheit, Medizin und Soziales, also etwa Pflegefachkräfte in Altenheimen und Krankenhäusern, sowie IT-Spezialisten.

*Der große Stellenzuwachs im Bauwesen/Handwerk verglichen mit 2018 ist zum Großteil auf die Jobbörse Ebay Kleinanzeigen zurückzuführen, die 2019 neu zu index Anzeigendaten hinzugekommen ist.

Top 5 Berufsgruppen 2019

Jede vierte Stelle von Personaldienstleistern ausgeschrieben

Auch im Jahr 2019 suchten die Arbeitgeber bei den Personaldienstleistern Hilfe, um neue Mitarbeiter zu finden. Zeitarbeitsfirmen und Personalberatungen schalteten im letzten Jahr rund 1,73 Millionen Stellenanzeigen, was einem Anteil von 25 Prozent am Gesamtstellenmarkt entspricht. Damit wurde jede vierte Stelle von Personaldienstleistern ausgeschrieben – ein guter Hinweis auf den Personalnotstand in den Unternehmen und dem Fachkräftemangel auf dem deutschen Arbeitsmarkt insgesamt.

Stellenanzeigen von Personaldienstleistern 2019

Wie die index Befragung von über 2.000 HR-Verantwortlichen aus ganz Europa herausgefunden hat, greifen vor allem große Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern auf die Expertise von Personaldienstleistern zurück. Während der Anteil hier 45 Prozent betrug, waren es bei kleinen Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern 20,3 Prozent. Deutlich häufiger setzen die Unternehmen beispielsweise aufs Recruiting in den sozialen Medien. Leider bedeutet das nicht, dass das Social Recruiting auch effektiv ist, wie unsere Umfrage ergab. Alle Ergebnisse finden Sie im index Recruiting-Report 2019/2020, den Sie auf unserer Website bestellen können.

Große Diskrepanz zwischen den Bundesländern

2019 wurde mehr als die Hälfte der Stellenanzeigen von Firmen aus nur drei Bundesländern geschaltet.

Und wo in Deutschland war das Jobangebot 2019 am höchsten? Die besten Chancen hatten Jobsuchende 2019 in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Rund 56 Prozent und damit knapp 3,5 Millionen Stellenanzeigen wurden von Unternehmen, die ihren Sitz in einer dieser drei Bundesländer haben, veröffentlicht.

An der Spitze steht dabei Nordrhein-Westfalen, das bevölkerungsreichste Bundesland, mit über 1,26 Millionen Inseraten. Bayern und Baden-Württemberg folgen mit einem Anteil von jeweils 19 Prozent und 16 Prozent am Gesamtmarkt. An vierter Stelle steht dann schon die Hauptstadtregion, wenn auch „nur“ mit rund 570.000 Stellenanzeigen. Das Schlusslicht bilden Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland – letzteres mit gerade einmal etwa 25.000 Stellenanzeigen im gesamten Jahr 2019. Damit haben die Bewohner strukturschwacher und dünn besiedelter Regionen Deutschlands zumindest zahlenmäßig die geringsten Karriere-Möglichkeiten.

Stellenmarkt 2019 Bundesländer

München und Frankfurt bieten besonders gute Jobchancen

Bei den Top Städten schnappt sich Berlin mal wieder die Krone. Firmen mit Sitz in der Hauptstadt veröffentlichten 2019 fast 569.000 Stellenangebote – da können andere Städte wie Hamburg und München mit jeweils rund 390.000 bzw. 379.000 Angeboten nicht mithalten.

Das verändert sich jedoch, wenn man die Jobangebote im Verhältnis zur Einwohnerzahl betrachtet: Von den Top 15 Städten hatten Arbeitnehmer im München und Frankfurt am Main mit jeweils rund 26 offenen Stellen pro 100 Einwohnern die besten Chancen, ein passendes Stellenangebot zu finden. Hamburg platziert sich mit rund 21 Stellen pro 100 Einwohnern im oberen Mittelfeld. Im Vergleich dazu ist die Arbeitsmarktsituation in Berlin (etwa 16 Stellen pro 100 Einwohner) nicht mehr so rosig.

Die schlechtesten Karten haben Arbeitnehmer in Duisburg: Hier gab es 2019 nur rund fünf offene Stellen pro 100 Einwohnern. Der in den Medien diskutierte wirtschaftliche Abschwung des Ruhrgebiets zeigt sich hier ganz deutlich.

Stellenmarkt 2019 Top Städte

Der index Recruiting-Report 2020

index Recruiting-Report 2019
index Agentur

Hinweis: 2019 konnte index Anzeigendaten wieder neue Jobbörsen, Firmen-Websites und Printmedien als Quellen hinzufügen und daraus die Stellenanzeigen identifizieren. Für den Jahresrückblick 2019 wurde mit einer festen Quellenbasis von 328 Print- und Onlinemedien gearbeitet, um die Stellenmarktentwicklung repräsentativ darstellen zu können. Der Analysezeitraum war der 01.01.2019 bis 31.12.2019.

Teilen Sie diesen Beitrag in den Sozialen Medien!

Anmeldung Newsletter