Trotz Krise: Die Bahnbranche nimmt Fahrt auf

Stellenmarktentwicklung und Recruiting in Corona Zeiten

Bahnbranche Bild

Noch im Januar dieses Jahres beschloss der Bund zusammen mit der Deutschen Bahn, das teilweise marode Schienennetz innerhalb des nächsten Jahrzehnts massiv auszubauen und zu stärken. Angesichts der Krise wären nun für diese Maßnahmen mehr Zeit und Platz.  Doch wie sieht es aktuell im Recruiting auf dem Schienensektor aus?  

In vielen Bereichen gibt es aufgrund der Corona-Pandemie einen Recruiting-Stopp. Das trifft jedoch nicht auf die Bahnbranche zu. Trotz oder gerade auch aufgrund der pandemie-bedingten Krise wird hier weiter nach Personal gesucht. Was muss jetzt neu überdacht und angepasst werden? Ein Einblick in eine Branche, die weiß wo es langgeht und digitale Weichen stellt.

Die Schiene ist systemrelevant

Zwar haben die Bahnen Fahrgastrückgänge von 75-80 Prozent zu verzeichnen (Stand 24. März im Deutschlandfunk) und auch über die Osterfeiertage wurden aufgrund der Situation weniger Tickets verkauft als sonst, dennoch wird der Personenverkehr größtenteils aufrechterhalten. Das erlaubt es systemrelevanten Personen ihren Arbeitsplatz zu erreichen oder sich um Angehörige in anderen Bundesländern zu kümmern. Und: Die MitarbeiterInnen des Nah- und Fernverkehrs stellen das Versorgungsnetzwerk in Deutschland sicher. Die Schiene ist somit systemrelevant.

Aktuell erkennt die Deutsche Bahn sogar Tickets des Konkurrenten Flixtrain an, weil das Unternehmen coronabedingt gerade seine Verbindungen aussetzt. So kommen Personen, die bereits ein Ticket haben, auch weiterhin sicher ans Ziel.

Im Güterverkehr hingegen werden neben wichtigen Rohstoffen auch Lebensmittel und medizinische Produkte befördert. Ganze Branchen (Kraftwerke, Chemieindustrie u.a.) sind abhängig vom Güterverkehr, gerade in unsicheren Zeiten wie diesen.  Die Deutsche Bahn Tochter DB Cargo fährt zusätzliche Güterzüge aus Italien nach Deutschland, welche mit Lebensmittelkonserven und Teigwaren beladen sind. Die medial als „Pasta-Express“ bezeichnete Route besteht aus insgesamt 100 Waggons. Hamsterkäufe sind also unnötig.

Aktuelle Stellenmarkt-Entwicklung

Während die Verkehrsbranche sich in den vergangenen Monaten nicht so positiv entwickelte, wuchs das Stellenangebot im Bahnsektor kontinuierlich weiter. Im Januar 2020 gab es im Vergleich zum Januar 2019 zum Beispiel einen Zuwachs an Ausschreibungen um 53 Prozent und im März 2020 in Relation zum selben Monat im letzten Jahr einen Anstieg von 19,9 Prozent.

Besonders häufig gesucht werden derzeit Bauingenieure und Gleisbauer mit 968 und 392 Positionen im März 2020, welche die Zeit nutzen, um das teilweise marode Streckennetz zu erneuern.  Außerdem stark nachgefragt im März waren Lokführer/Lokrangierführer (695 ausgeschriebene Stellen) und Fahrdienstleiter (604 Positionen) sowie Bauüberwacher mit 369 Positionen. Die meisten Schienen-Fachkräfte werden derzeit in Hessen gesucht, gefolgt von Bayern und Berlin.

„Der Konzern hat in einem enormen Kraftakt seine Personalgewinnung innerhalb weniger Tage an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst“, sagt DB-Personalvorstand Martin Seiler in einem Statement am 04. April. „Die DB stellt weiter ein! Unsere Offensive geht weiter: Auch in diesen Zeiten bieten wir sichere Jobs. Heute kann niemand genau absehen, wie sich die Corona-Krise in Deutschland wirtschaftlich auswirken wird. Aber klar ist: Wir brauchen die neuen Kolleginnen und Kollegen für einen starken Schienenverkehr.“

Ergänzend dazu erklärt Dirk Flege, Geschäftsführer des gemeinnützigen Verkehrsbündnisses Allianz pro Schiene: „Wer aktuell auf der Suche nach einem attraktiven Job in der Bahnbranche ist, hat gute Karten, denn anders als in anderen Branchen legen die Bahnunternehmen ihr Recruiting nicht auf Eis. Bei der Jobsuche hilft übrigens das Karriereportal SchienenJobs.de, welches gerade erst einen Relaunch hatte und mit frischem Design aufwartet.“

Video-Calls mit Führungskräften und virtuelle Jobinterviews

Unter dem Motto „Starke Schiene“ will die Deutsche Bahn langfristig rund 100.000 neue Mitarbeiter einstellen. Allein in diesem Jahr sollen es 25.000 sein. Im ersten Quartal 2020 erhielten bereits mehr als 10.000 externe Bewerberinnen und Bewerber eine Einstellungszusage. Auch in der Corona-Krise setzt die Deutsche Bahn ihre große Personaloffensive fort

Innerhalb von wenigen Tagen wurde nun aufgrund der Krise der Recruiting-Prozess von analog auf digital umgestellt. Vorstellungsgespräche finden nicht mehr persönlich, sondern virtuell statt. Das heißt, die DB legt weiterhin großen Wert auf Kommunikation, Austausch und Begegnung. Dazu wurden entsprechende Leitfäden für die Techniknutzung entwickelt.

Neben Jobinterviews bietet die Deutsche Bahn Online-Treffen mit Führungskräften an und allgemein digitale Einblicke von schienenerpobten Mitarbeiter*innen. So wird sichergestellt, dass auch die neuen Beschäftigten einen guten Start ins Berufsleben haben und einen Anprechpartner*in für Fragen und Nöte. Auch Weiterbildungsmaßnahmen und Webinare sind in Planung. Dazu gehören zum Beispiel Live-Vorträge online von DB-Experten zu spannenden IT- oder Ingenieurs-Projekten.  Recruiting-Events, wie Infotage und Mitarbeiter-Castings, werden ebenfalls per Livestream übertragen. So wurde eine geplante Sonderzugfahrt zu einem „Tag des Quereinstiegs“ in Hessen kürzlich in eine Videokonferenz mit Dutzenden Teilnehmern verwandelt.

Eigene Videos der einzelnen Mitarbeiter*innen auf ihrem Arbeitsplatz sollen folgen. Außerdem: Veranstaltungen für Schüler finden nun zunehmend auch online statt – im virtuellen Klassenzimmer.

Rahmenbedingungen für systemrelevante Berufe schaffen

Wichtig ist auch, dass die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden an die veränderten Umstände angepasst werden und sich niemand um seinen Job sorgen muss. Bei der Vereinbarung „Gemeinsam gegen Corona“ der DB und der Gewerkschaften EVG und GDL geht es um die eine Unterstützung für Eltern im Zusammenhang mit Kita- und Schulschließungen und das Bekenntnis zu sicheren Arbeitsplätzen. Vertreter systemrelevanter Berufe wie Lokführer, Wagenmeister oder Fahrdienstleister können nur ihren Job machen, wenn diese Rahmenbedingungen stimmen. So müssen beispielsweise die Kinderbetreuung gewährleistet, Hotels an den Standorten des Lokführerwechsels geöffnet oder Werkstätten für die Instandhaltung des Rollmaterials verfügbar sein.

Zusammenhalt aller Akteure muss funktionieren

Am 26 März 2020 haben sich führende Vertreter der Verkehrsbranche auf eine gemeinsame Charta für eine enge Zusammenarbeit während der Corona-Krise bekannt. Diese soll die Versorgung über die Schiene sicherstellen. Unterzeichner waren neben der Deutschen Bahn, Kombiverkehr und der Hamburg Port Authority HPA die Allianz pro Schiene, die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, das Deutsche Verkehrsforum, der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, der Verband der Bahnindustrie in Deutschland, das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen, Mofair und der Verband der Güterwagenhalter in Deutschland.

Fazit: Der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und der Güterverkehr werden momentan in ganz Deutschland aufrechterhalten. Die Entscheidung darüber liegt jedoch bei den jeweiligen Aufgabenträgern in den Bundesländern. In Zeiten wie diesen heißt es auch für die Bahnbrache: Zusammenhalten. Gemeinsam haben alle Akteure dafür bereits die ersten die Schritte getan.

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