„Unverbindlich chatten“

Whatsapp in Stellenanzeigen

Recruiting Trends 2019

Über 1,5 Milliarden Menschen weltweit nutzen den Messenger-Dienst WhatsApp – darunter insbesondere die jüngere Zielgruppe. Immer öfter liest man neuerdings auch das Wort „WhatsApp“ in Stellenanzeigen. Was dem einen ein Segen, ist dem anderen ein Fluch. Unverbindlicher geht’s nicht, mag man denken oder mit Grauen den Untergang der deutschen Sprache heraufbeschwören. Emojis ersetzen Begrüßungsformeln, Kürzel ersetzen ganze Sätze. Wo kommen wir denn da hin? Vielleicht zu einer ganz neuen Form des Recruitings?

„Schick uns doch dein Video per WhatsApp“

Die Vorteile, aber auch die zahlreichen Nachteile einer Kontaktaufnahme oder gar Bewerbung über WhatsApp liegen auf der Hand. „Kaum Eingangsbarrieren“ beschreibt es ein Arbeitgeber und meint damit, dass die Hemmschwelle wegen der Formlosigkeit der Chatfunktion geringer ist. Außerdem stellt er die These auf, dass so mehr Bewerber den Mut finden, Kontakt aufzunehmen. Der Messenger-Dienst WhatsApp bietet eine schnelle und direkte Kommunikation im Echtzeitdialog. Es gibt überdies die Möglichkeit, Dokumente hochzuladen sowie Bilder und sogar Videos. In den meisten Stellenanzeigen handelt es sich bei der Erwähnung des Messenger-Dienstes um die Möglichkeit einer schnelleren Kontaktaufnahme oder um eine Serviceleistung.

Studie Interne Kommunikation Ziele und Strategie

Der Trend insgesamt, gemessen am Anteil des WhatsApp-Angebotes in Stellenanzeigen vom dritten Quartal 2018, verglichen mit dem ersten Quartal 2019 liegt bei 51 Prozent Zuwachs. 24 Prozent aller Stellenanzeigen, in denen WhatsApp enthalten ist, werden in den Berufsgruppen „Pflege- und Arzthelferberufe“ ausgeschrieben. Das waren im ersten Quartal 2019 fast 18.900 Positionen. Diese überraschend hohe Zahl lässt vermuten, dass durch den großen Personalengpass und Fachkräftemangel im Pflegebereich den Bewerbern die Kontaktaufnahme so leicht wie möglich gemacht wird. Der Wettbewerb in diesem Bereich ist sehr groß und ein Kontaktangebot über WhatsApp könnte die Quantität der Anfragen erhöhen.

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Auch bei den Personaldienstleistern, die jedoch ohnehin den größten Anteil der Stellenanzeigen innehaben, boten 5 Prozent den WhatsApp-Messenger als Kontaktaufnahme an. Für das erste Quartal 2019 waren das immerhin 66.419 Positionen.

Trotzdem gibt es natürlich nach wie vor Branchen, in denen eine gewisse Form und Förmlichkeit vonnöten ist und auch erwartet wird. Zum Beispiel im öffentlichen Dienst. Hier liegt der Anteil an „unverbindlichen Chatangeboten“ bei null Prozent.

Bewerbungen über Messenger-Dienste

Die Möglichkeit, sich direkt über WhatsApp zu bewerben, wird auch geboten. Das passiert jedoch deutlich seltener als die Serviceangebote und Fehlerbehebung. Gehäuft kommt das Angebot einer WhatsApp -Bewerbung in der Kommunikationsbranche vor. Zum Beispiel kann man hier kreative Videobewerbungen über WhatsApp versenden. Das ist besonders in der Werbebranche und im Marketing von Vorteil, wenn die Kreativität der Bewerber*innen gefragt ist.

Die Zielgruppe ist hier eher jünger: Der Anteil der Stellenanzeigen, die sich an Young Professionals und Schüler oder Studenten richten und WhatsApp enthalten, liegt in der Berufsgruppe Marketing bei 12 Prozent. In der Branche der Freelancer und Freiberufler, die generell mobiler und flexibler sind, und damit keinen firmeninternen Hierarchien unterstehen, sind 2 Prozent der Stellenanzeigen mit WhatsApp-Möglichkeit versehen. Trotzdem gibt es natürlich nach wie vor Branchen, in denen eine gewisse Form und Förmlichkeit vonnöten ist und auch erwartet wird, zum Beispiel im öffentlichen Dienst. Hier liegt der Anteil an „unverbindlichen Chatangeboten“ bei null Prozent. Die Kontaktaufnahme per Messenger ist demnach nicht für alle Branchen und Berufsgruppen das passende Recruiting-Tool.

Apropos Berufsgruppen: Überraschend häufig werden Handwerker und Bauarbeiter mit Messeger-Diensten gelockt. Fast ein Viertel aller Stellenangebote mit WhatsApp-Bezug richten sich an diese Berufsgruppe.

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Weitere Vorteile von WhatsApp als Kommunikationsmittel der Wahl sind: schnelle Antwortprozesse und flache Hierarchien. Außerdem kann sich der Arbeitgeber durch das Angebot von WhatsApp-Kommunikation im Recruiting-Prozess nahbarer machen und als innovativer Arbeitgeber positionieren, der den Bedürfnissen der Zielgruppe entgegenkommt. Die Kreativität der Bewerber*innen wird zudem gefördert z.B. durch Videobewerbung. Nichtsdestotrotz kann WhatsApp auch zur unerwünschten Vermischung von Arbeits- und Privatleben führen, außerdem zu Missverständnissen (z.B bei Ironie) und nicht zuletzt dazu verleiten, Sachverhalte zu oberflächlich zu behandeln. Die Zukunft wird also zeigen, ob sich WhatsApp oder WhatsApp-Bewerbungen noch weiter in den Recruiting Prozess eingliedern werden.

Mehr über die Wege des Recruitings könnt ihr auch in unserer Recruiting-Kolumne mit Jasmin nachlesen.

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Eine HR-liche Kolumne

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