Wenn Gutes tun so einfach wäre

17.10.2019|Allgemein|

die Arbeit der NGOs

Titelbild NGOs

NGOs sind Organisationen, die nicht von der Regierung unterstützt werden und sich größtenteils aus Spenden und Mitgliederbeiträgen finanzieren. Oft geht es dabei um Hilfe für notleidende Kinder, Menschen in Kriegsgebieten oder Tiere. Diese Non-Profit-Organisationen leisten einen großen humanitären Beitrag für die Gesellschaft. Für deren Mitarbeiter sind monetäre Interessen deshalb nicht die maßgebliche Motivation, sondern sie arbeiten, weil sie helfen wollen und setzen sich für einen gesellschaftlichen Wandel ein. Außerdem wollen sie Anstoß zum Umdenken geben, wie zum Beispiel bei der aktuellen Klimadebatte. Ab und zu setzen NGOs auch provokative Kampagnen um, die genau das bewirken sollen. Doch in welchem Bereich schreiben die gemeinnützigen Vereine hauptsächlich Jobs aus und handelt es sich dabei wirklich meistens um ein Ehrenamt? Wir haben uns die Einstellungspolitik der größten NGOs angeschaut und auch deren Ranking beim Arbeitnehmerportal-Kununu miteinbezogen. Es stellt sich die Frage: Wie viel Idealismus kann man sich in Deutschland leisten?

Ärzte mit Grenzen: schwierige Arbeitsbedingungen vs. guter Wille

Vom 01. Januar dieses Jahres bis zum 30. September 2019 schrieben 74 NGOs insgesamt 3.777 Stellen aus. Davon waren die meisten Beraterpositionen (959 Stellenangebote), dicht gefolgt von Praktika (794 Stellenangebote). Die Jobs sind häufig im Bereich Fundraising, Teamassistenz, Promotion, vielseitig einsetzbare Werkstudenten oder Junior-Berater. Da sie meistens Organisationen auf Spenden und Mitgliederbeiträge angewiesen sind, können sie oft kein großes Gehalt zahlen. Dieses und die teilweise schwierigen Arbeitsbedingungen macht sich auch auf dem Arbeitgeber-Bewertungsportal Kununu bemerkbar.

Es folgt ein kleiner Überblick über die größten NGOS:

Amnesty International

Amnesty International, deren Büro sich direkt gegenüber des index-Büros in Berlin befindet, wurde 1961 in England gegründet und ist heute in 150 Ländern aktiv. Haupt-Gegenstand des Engagements ist die weltweite Einhaltung der Menschenrechte.  Amnesty International bietet immer wieder Stellen im Sekretariat in der deutschen Metropole an. Auch Praktika in den Bereichen EDV, Finanzen oder Kampagnenplanung werden vergeben. Geforderter Hard-Skill: sehr gute Englischkenntnisse.

Foodwatch

Foodwatch überprüft die Qualität von Lebensmitteln im Sinne des Verbraucherschutzes. Auch hier befindet sich der Hauptsitz der NGO in Berlin. Das Team besteht sowohl aus Festangestellten als auch freien Mitarbeitern. Hauptsächlich werden aktuell Mitarbeiter für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit gesucht sowie Promoter-Jobs angeboten. Als Unterschriftensammlerin oder -Sammler bekommt man bei Foodwatch einen Stundenlohn von 12 Euro. Die Bewerbung erfolgt per E-Mail.

Brot für die Welt

Die NGO wurde bereits 1959 von der evangelischen Kirche in Berlin gegründet. Hauptsächlich beschäftigt sich Brot für die Welt mit der Sicherung von Ernährungsgrundlagen. 400 Mitarbeiter engagieren sich weltweit in über 90 Ländern.

Brot für die Welt bietet Stellen für Fachkräfte und Freiwillige an und entsendet Expats ins Ausland, beispielsweise nach Papua-Neuguinea. Zusätzlich bietet die Organisation ein eigenes Stipendienprogramm. Auf Kununu wird jedoch besonders der Bewerbungsprozess und das Gehalt der Angestellten der deutschen Sitze kritisiert.

Greenpeace

Die 1971 gegründete Umwelt-Organisation Greenpeace setzt sich für folgende Themen ein: Umweltverschmutzung reduzieren, Umgang mit dem Klimawandel, Energiewende, Erhaltung der Artenvielfalt und Landwirtschaft. Die Arbeit der rund 2.400 Mitarbeiter in 45 Ländern weltweit wird von rund drei Millionen Mitgliedern unterstützt. Die deutsche Dependance sitzt in der Hansestadt Hamburg. Bei Greenpeace können Chemiker, Biologen, Journalist*innen und kaufmännische Fachkräfte arbeiten. Die Organisation merkt jedoch auf ihrer Karriere-Seite an, dass die Nachfrage höher als das Angebot fester Stellen ist und gibt zu, dass es eher selten zu Neueinstellungen kommt. Außerdem verfolgt sie eine transparente Personal- und Gehaltspolitik, die im Detail auf ihrer Internetseite nachgelesen werden kann. Frauen und Menschen mit Behinderung werden bei der Bewerberauswahl bevorzugt in Erwägung gezogen.

Allerdings haben mehrere ehemalige Mitarbeiter Kritik an der internen Kommunikation sowie dem Vorgesetztenverhalten bei Kununu geäußert. Besonders positiv dagegen wurde, wie auch bei anderen großen NGOs, das Image bewertet.

Screenshot NGO_1

WWF

Diese einflussreiche Umwelt-Organisation setzt sich weltweit für die Bewahrung der biologischen Vielfalt ein.1961 in der Schweiz gegründet, beschäftigt das Unternehmen heute über 4.000 Mitarbeiter in über hundert Ländern. Die Stellenangebote auf der Karriereseite erscheinen sehr vielseitig. Vor allem Lobbyarbeit in der Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft sowie Referenten und Praktikantenstellen sind ausgeschrieben.

Auch kaufmännisch orientierte Projektabwicklung und Jobs im Marketing sind gefragt. Über das internationale WWF-Netzwerk werden Jobs im Ausland angeboten.

SEA Watch

SEA Watch ist eine gemeinnützige Hilfs-Initiative, die im Mai 2015 im Zuge der Geflüchteten-Welle gegründet wurde. Der Verein war bisher an der Rettung von weit über 37.000 Menschen beteiligt. Es werden feste Mitarbeiter und Praktikanten gesucht, unter anderem für die Spendenadministration. Die Praktika etwa im Fundraising und Eventbereich sind ebenfalls vergütet. Außerdem kann man als Aktivist*in direkt zur Crew hinzustoßen. Dort werden unter anderem Kapitän*innen, Offizier*innen, Mechaniker*innen, Schiffselektriker*innen und IT-Spezialist*innen gesucht. Dafür sollte man jedoch genügend Erfahrung mitbringen und körperliche sowie psychische Belastungen aushalten.

Ärzte ohne Grenzen

NGO Bild

Die Organisation wurde 1971 in Frankreich als Médecins Sans Frontières (MSF) gegründet.

In den deutschen Büros von „Ärzte ohne Grenzen“ arbeiten rund 120 Festangestellte und 50 Studenten. Es werden jedoch auch befristete Promoterjobs zur Mitgliedergewinnung ausgeschrieben, die gut vergütet werden.

Außerdem gibt es vergütete Praktikumsstellen in den Bereichen Fundraising, Eventplanung, Personal und Verwaltung. Abgesehen von Ärzten werden auch Projektmanager, Finanzfachkräfte oder Öffentlichkeitsarbeiter gesucht. Bewerbungen werden per E-Mail entgegengenommen, Initiativbewerbungen sind jedoch nicht erwünscht. Beim Arbeitgeber-Ratingportal Kununu wurden vor allem die Arbeitsbedingungen und das Gehalt sowie die Sozialleistungen schlecht bewertet. Gehört das zum Job bei einer NGO dazu und inwieweit sollten Mitarbeiter das in Kauf nehmen? Diese Frage soll mal dahingestellt sein.

„Bei vielen NGOs hält lediglich deren Image den Arbeitnehmerbewertungen stand.“

Terre des hommes

1960 wurde Terre des hommes als Kinderhilfswerk im französischen Lausanne gegründet. Die deutsche Organisation wurde 1967 ins Leben gerufen, um schwer verletzten Kindern aus dem Vietnamkrieg zu helfen. Insgesamt setzen sich rund 2.000 Mitarbeiter in mehr als 30 Ländern für die Kinderrechte und gegen die Ausbeutung und Diskriminierung von Kindern ein. Seit einigen Jahren engagiert sich der Verein stark im Nahen Osten.

Der deutsche Hauptsitz der Organisation befindet sich in Osnabrück. Derzeit werden die Vorstände im Bereich Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit neu besetzt, es sind Stellen in Berlin, Osnabrück und Johannesburg ausgeschrieben. Ein Verständnis von politischen Prozessen ist dafür ein geeigneter Soft-Skill. Terre des hommes bietet Praktika für Studenten in loser Abfolge an (ohne Vergütung). Die Mindestdauer beträgt acht Wochen. Auslandseinsätze vermittelt die Organisation nicht.

In diesem Bundesland werden die meisten NGO-Mitarbeiter gesucht

Insgesamt hat index Anzeigendaten die Daten von 74 Hilfsorganisationen erhoben. Hierbei zeigte sich mit großem Vorsprung Nordrhein-Westfalen als Bundesland mit den meisten offenen NGO-Stellen. Zwischen dem 01. Januar und 31. September 2019 waren hier 1.192 Positionen zu besetzen. Das liegt zum einen daran, dass es sich um ein flächenmäßig eher großes Bundesland handelt und zum anderen daran, dass die Stadt Bonn bis 1999 Regierungssitz der Bundesrepublik war und hier die Dichte an NGOs verhältnismäßig hoch ist. Deutlich dahinter mit 884 Positionen innerhalb des angegebenen Zeitraumes kommt dann Hessen und auf dem dritten Platz das kleine Bundesland Berlin, wo sich mehrere Hauptsitze der großen internationalen Organisationen befinden.

Fun-Fact: Im Saarland wurde innerhalb des gesuchten Zeitraumes keine einzige Stelle für eine gemeinnützige Nicht-Regierungs-Organisation ausgeschrieben.

Ehrenamtliche Tätigkeiten sind gar nicht so häufig, wie man vielleicht denkt

Tatsächlich sind ehrenamtliche Stellen bei Hilfsorganisationen relativ selten, zumindest selten ausgeschrieben: Bis Ende September dieses Jahres waren es insgesamt 277 Positionen. 630 Stellenangebote waren hingegen für freie Mitarbeit ausgelegt. Fazit: Mit viel Idealismus, bescheideneren Gehaltsvorstellungen und genügend Belastbarkeit kann ein NGO Job eine sehr interessante Tätigkeit sein, bei der die Chance lockt, die Zukunft mitzugestalten.

Klar wird aber auch: Image ist nicht alles! Trotz der Identifikation mit den Zielen der Organisation als Hauptvoraussetzung sollten NGOs als Arbeitgeber versuchen, das Arbeitsumfeld so zu gestalten, dass ihre Mitarbeiter*innen gerne dort arbeiten. Gerade das war auf den ersten Blick bei Kununu nicht zu erkennen.

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